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Baugeschichte der Kirche

Die frühere Kirche zu Picher wurde 1319 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, aber sie wurde sicher schon im 13. Jahrhundert gebaut. Die Kirche war damals ein einfacher Ziegelbau mit Balkendecke und wurde durch das Kloster Eldena bis 1558 verwaltet. Im Laufe der nun folgenden Jahre wurde die Kirche aus Platzgründen mehrmals baulich verändert, jedoch sind die Bauakten voll von Klagen über Reparaturbedarf, Bitten um Baumaterial und finanzielle Unterstützung. In den Jahren nach dem Dreißigjährigen Krieg befand sich die Kirche bereits in einem stark baufälligen Zustand. Pastor J. Andreas Wetzstein meldete 1691 die Dringlichkeit mit folgenden Worten beim herzoglichen Kammerrat: “…wegen hochnötigen reparirung unserer Kirchen…und wegen des Verzugs sie jemehr bawfällig worden (ist), in dem man nirgends trocken stehen kann.“ Eine noch vorhandene Holztafel dokumentiert, dass im Jahr 1777 auf Befehl Herzog Friedrichs die „...hiesige Pichersche Kirche ganz ausgebessert ausgemalet, und mit einem neuen Altar, Kanzel und Taufstein versehen worden“ ist.
Dies konnte aber die fortschreitende Baufälligkeit des gesamten Gebäudes nicht aufhalten. 1830 beschädigte ein Sturm den Turm so erheblich, dass er trotz Reparaturen 1868 nach einem Blitzschlag endgültig abgerissen werden musste. Da schon mehrere Jahre zuvor eine unerträgliche Enge im Kirchgebäude während der Gottesdienste herrschte, wurde wieder über eine Gebäudeerweiterung nachgedacht. Dazu fehlte allerdings der Platz auf dem alten Kirchhof, so dass der Abriss der zunehmend verfallenden alten Kirche und ein größerer Neubau der Kirche auf dem neuen Teil des vorherigen Kirchhofs, nahe dem alten Standort, beschlossen wurde.
In der Neujahrswoche 1875 begannen die Abbrucharbeiten. Die Grundsteinlegung der heutigen Kirche von Picher erfolgte am 12.11.1875. Die Bauplanung lag bei dem im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin zur Zeit von Friedrich Franz II. an vielen Stellen tätigen Architekten und Baubeamten Georg Daniel (1829-1913).
Ähnlich wie bei anderen Kirchen erfolgte der Bau nach einer Art „Baukastensystem“, bei dem unter Mitwirkung von Landesbaumeister Jatzow aus einem von Architekten und Tischlerwerkstätten vorgegebenen Formenrepertoire geschöpft wurde und damit der Außenbau und die Ausstattung festgelegt worden ist.
Im November 1879 war der Kirchbau aus roten Ziegel im neogotischen Baustil mit über 900 Sitzplätzen fertig gestellt, allerdings noch ohne Orgel. Diese war aber zur Weihe der Kirche am 22.02.1880 vom Orgelbaumeister Runge soweit eingebaut, dass sie zwar nicht vollständig, aber dennoch „volltönend“ am Festgottesdienst mitwirken konnte.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts erfolgten einige notwendige Reparaturen, doch in den 70er und 80er Jahren erlitt die Kirche wegen zunehmenden Schwammbefalls infolge des undichten Daches und Fehlern bei der Regenwasserableitung erheblichen Schaden. Dank der finanziellen Unterstützung aus Bund, Land, Landkreis, Kommunen, privaten Spendern und den Spenden aus der eigenen Kirchgemeinde konnte mit der Sanierung der Kirche 1998 begonnen werden. In zwei Etappen wurden Dach und Fassade des Hauptschiffes bis zum Turm instand gesetzt.
Mit der Renovierung des Kirchturms von September 2007 bis April 2008 wurde die Außensanierung des Kirchgebäudes abgeschlossen. Als nächste Sanierungsmaßnahmen sind die Innenrenovierung des Kirchgebäudes sowie die Restaurierung der Orgel notwendig.

Die Orgel in der Kirche Picher

Die mechanische Schleifladenorgel auf der Westempore der Kirche wurde 1880 von Johann Heinrich Runge (Hagenow) gebaut. Sie hat 12 Register auf 2 Manualen und selbstständigem Pedal. Unsere Orgel ist die größere der beiden noch existierenden original erhaltenen Runge-Orgeln, lediglich die Prospektpfeifen mussten 1917 zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgegeben werden und wurden 1934 durch Zinkpfeifen ersetzt.
Die Orgel ist mit etwas Aufwand und Insiderwissen noch sehr begrenzt spielbar; sie bedarf dringend in den nächsten 5 Jahren einer umfangreichen Sanierung, um sie vor einem völligen Verfall zu bewahren. Hauptprobleme sind der starke Holzwurmbefall, Verschmutzung und die Brüchigkeit der Balganlage.
Eine Restaurierung der Orgel nach Fertigstellung der Bauarbeiten am Kirchgebäude wird nach Schätzung von Orgelbaufirmen ca. 80.000 € kosten. Spenden dazu werden mit Freude entgegengenommen, da die Kirchensanierung der letzten Jahre und die bevorstehenden Bauarbeiten am Turm die Kirchgemeindekasse leeren!